Althochdeutsch. Die zeitlichen und räumlichen Grenzen. Die althochdeutsche Periode umfaßt ca. drei Jahrhunderte, also von 770 bis 1050. 770 ist der Anfang des deutschen Schrifttums. Althochdeutsch ist ein Terminus für die Bezeichnung des frühesten Deutsch. Darunter versteht man die Sprache der althochdeutschen Stämme, die das mittlere und südliche Deutschland im frühen Mittelalter bewohnt haben (Franken, Alemannen, Bayern). Zeit | ALT | Die älteste schriftlich belegte Stufe der deutschen Sprache, u. a. gekennzeichnet durch volle Endsilbenvokale, Formenreichtum und einen synthetischen Sprachbau. Raum | HOCH | Das durch die 2. Lautverschiebung abgegrenzte hochdeutsche Gebiet, im Gegensatz zum Niederdeutschen. Sprache | DEUTSCH | Noch keine einheitliche Sprache, sondern verschiedene Stammesdialekte mit fließenden Grenzen: Alemannisch, Bairisch, Fränkisch, Thüringisch, (Langobardisch) u.a. Die althochdeutschen Territorialdialekte. Die einzige Erscheinungsform der Sprache dieser Periode waren die sogenannten Territorialdialekte. Die Grenzen der althochdeutschen Territorialdialekte wurden von den Herzogtümern bestimmt, die gegen Ende des 9. Jh. und zu Beginn des 10. Jh. im Ostfrankenreich entstanden waren und im Deutschen Reich fortbestanden. Ihre Gliederung sah so aus:: 1. Im Südwesten des Reiches lag das Herzogtum Schwaben. Es erstreckte sich über das Territorium des heutigen Baden-Württemberg, über den heutigen deutschsprachigen Teil der Schweiz und seit 925 über den heutigen Hauptteil des Elsaß (Ostfrankreich mit der Hauptstadt Straßburg). Sein Territorialdialekt heißt Alemannisch. 2. Im Südosten des Reiches lag das Herzogtum Bayern. Es erstreckte sich über den größten Teil des heutigen Bayern und über das heutige Österreich. Sein Territorialdialekt heißt Bairisch. Alemannisch und Bairisch bilden den Grundstock der oberdeutschen Dialekte. 3. In der Mitte des Reiches lagen die Herzogtümer Franken und Lotharingen. Ihr Territorialdialekt heißt Fränkisch. Auf der großen Fläche, die der fränkische Dialekt einnahm, wies er mehrere Abstufungen vom Oberdeutschen zum Niederdeutschen auf. Man unterscheidet hier einige Unterdialekte: a) zum Oberdeutschen gehören Ostfränkisch und Südfränkisch. b) zum Mitteldeutschen gehören Rheinfränkisch (Mainz, Frankfurt, Worms, Speier;) und Mittelfränkisch (Koblenz, Trier, .Luxemburg, Köln, Saargebiet, Aachen) c) zum Niederdeutschen gehörte das Niederfränkisch (heutige Belgien und die Niederlanden. 4. Im Worden, des Reiches lag das Herzogtum Sachsen. Sein Territorialdialekt heißt Sächsisch. Das Altsächsische bewahrte in der ahd. Zeit die Stellung einer selbständigen Sprache gegenüber dem Althochdeutschen. Das wichtigste Denkmal des Altsächsischen ist "Heiland" (Es handelte sich um das Leben und Wirken von Jesus Christus). 3. Zwischen den Herzogtümern Sachsen und Franken lag das Herzogtum Thüringen. Sein Territorialdialekt heißt Thüringisch. Gliederung der althochdeutschen Territorialdialekte HOCHDEUTSCHE | NIEDERHDEUTSCHE Oberdeutsch | Mitteldeutsch | Niederdeutsch 1. Bairisch | 1. Thüringisch | 1. Niederfränkisch 2. Alemannisch | 2. mitteldeutsches Fränkisch | 2. Niedersächsisch 3. oberdeutsches Fränkisch a) Südfränkisch b) Ostfränkisch | a)Rheinfränkisch b)Mittelfränkisch Oberdeutsch sprach man im Süden des Landes, Mitteldeutsch im zentralen Teil, aber im Norden sprach man Niederdeutsch, das sich von dem Hochdeutschen durch das Fehlen der zweiten hochdeutschen Lautverschiebung unterscheidet. Die niederdeutschen Territorialdialekte schließen Niederfränkisch und Niedersächsisch ein. 2. Die Sprachdenkmäler des Althochdeutschen. Das deutsche Schrifttum diente in erster Linie den Bedürfnissen der christlichen Missionierung und des Lateinunterrichts [vom lat. missio = schicken - die Missionierung ist eine Tätigkeit, die die Verbreitung einer Religion, hier des Christentums dient ]. Aus dem Lateinischen wurden in die heimischen Territorialdialekte Glaubensbekenntnisse, Gebete und theoretische Traktate übersetzt. Glossen — Einzelne deutsche Wörter über den lateinischen Text oder am Rand geschrieben. Das älteste deutsche Schriftdenkmal ist die Übersetzung eines lateinischen Wörterbuchs um 770 im bairischen Kloster Freising, der Abrogans nach dem ersten Wort benannt. Es ist alemannisch verfaßt. Die Hauptdenkmäler des Alemannischen sind: die "Benediktiner Regel " (Anfang des 9. Jh.) , das "Georgslied " (10. Jh.), die Werke von Notker (10. -11.Jh.). Als Hauptdenkmal des Bairischen seien genannt : "Muspilli "(9 Jh.), "Merigato " (Ende des 11.Jh.). Das Ostfränkische ist in erster Linie durch den "Tatian " vertreten (die erste Hälfte des 9. Jh.) Das Rheinfränkische hat den "Isidor " (8.Jh.) und das Evangelienbuch von Otfrid (9 Jh.) als wichtigste Denkmäler. "Tatian " ist die Übersetzung (aus dem Lateinischen in das Osrfränkische) der "Evangelienharmonie" (Bibeltext) des christlichen Schriftstellers Tatian aus Syrien (II.Jh.). Diese Übersetzung wurde in Fulda um 830 von sechs unbekanten Mönchen angefertigt. Das ist eines der bedeutenden ahd. Sprachdenkmäler. Die Übersetzung ist stark vom Latein beeinflußt. "Isidor " ist die Übersetzung des theologischen Traktats des spanischen Erzbischofs von Sevilla Isidor (560 - 636)." Über den katholischen Glauben ". Die Übersetzung entstand Ende des 8. Jh. Der Verfasser ist unbekannt. "Muspilli "(ca. 830) ist eines der wichtigsten und poetisch wertvollsten Denkmäler der ahd. Literatur. Es berichtet vom Weltende und vom Jüngsten Tag. Das als Bruchstück (103 Verse) erhaltene Poem ist im Stabreim (altgermanischer alliterirender Vers) gedichtet. Wurde im Kloster Emmeran bei Regensburg enteckt. „Otfried“ (südrheinfränkisch) ist eine selbständige Nachdichtung der Evangelien von gelehrtem Mönch Otfried (um 865). Sein Werk hat sich unter den ahd. Sprachdenkmäler am besten erhalten. Otfried ist der erste deutsche Dichter, dessen Name überliefert ist. Er hat als erster den Endreim in die deutsche Dichtung eingeführt. „Das Hildebrandslied“ (um 780) (eine Vermischung von ober- und niederdeutschen Elementen). Das einzige überlieferte Denkmal der altgermanischen epischen Dichtung ist uns nur in einem Fragment überliefert. Dieses einzige epische Denkmal entstand vermutlich im 7 Jh. und wurde fast zwei Jahrhunderte später im Kloster Fulda aufgezeichnet. Es berichtet über den Kampf des Vaters Hildebrand und seines Sohns Hadubrand, der den Vater nicht erkennt und ihn für einen lustigen Hunnen hält. Das Ende des Streites ist nicht überliefert. Das Gedicht ist in alliterierendem Vers gedichtet. „Notker“ (alemannisch). Notker Labeo (10.-11), auch der Deutsche genannt, war der Mönch und Klosterlehrer in St. Gallen. Er übersetzte für Unterrichtszwecke viele lehrhafte Texte und zahlreiche Psalmen ins Deutsche. Von besonderem Wert sind seine Übersetztungen philosophischen Schriften u.a. «Vom Trost der Philosophie» von Boethius und zwei Abhandlungen von Aristoteles. Notker schuf eine große Anzahl philosophischer Termini. „Ludwigslied“ (rheinfränkisch). Ein Lobgedicht eines unbekannten Dichters auf den Sieg Ludwig des Deutschen über die Normannen. Obgleich das Lied ein weltliches Thema schildert, hat es doch einen ausgeprägt religiösen Charakter, weil der Dichter im Sieger einen Gottesstreicher erblickt. Das Gedicht ist in einer Handschrift des 9. Jhs. überliefert. „Heliand“ (altsächsisch). Das bedeutendste Denkmal des Altsächsischen, eine Zusammenfassung der vier Evangelien in einem laufenden Bericht entstand um 830. Im Auftrag Ludwigs des Frommen, des Sohnes Karl des Großen, schildert ein unbekannter Mönch das Leben Jesu. Der «Heliand» ist in Stabreimen, in der Form eines altgermanischen Heldenliedes geschrieben. „Straßburger Eide“ (rheinfränkisch) stellt den feierlichen Schwur dar, den die Enkel Karl des Großen — Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle — ablegten, als sie 842 zu Straßburg einen Bundesvertrag gegen ihren älteren Bruder Lothar schlossen. Der erste Teil enthält den Eid, den die Könige einander leisteten. Um beiden Heeren verständlich zu sein, legte ihn Karl in deutscher, Ludwig in romanischen Sprache ab. „Merigarto“ (bairisch) ist ein Bruchstück aus einer gereimter Weltbeschrei-bung, das in einer Handschrift der 11./12. Jh. überliefert ist. DAS PHONOLOGISCHE SYSTEM DES ALTHOCHDEUTSCHEN Die Hauptcharakterzüge des althochdeutschen phonologischen Systems Das Althochdeutsche erbte vom Altgermanischen: 1. den festen Wortakzent auf der Stammsilbe: 'geban 'geben', 'ar'slahan 'erschlagen'; 2. den Ablaut, der die Formenbildung der starken Verben prägt: ahd. ziohan — zôh — zugum — gizogan 'ziehen' 3. den auf dem Vernerschen Gesetz beruhenden grammatischen Wechsel dit, h/g, flb, s/r in der Flexion der starken Verben: ahd. snîdan — sneid — snitum — gisnitan 'schneiden'. ahd. farliosan — farlôs — farlurum — farloran 'verlieren' (auch die Wortbildung: ahd. snîdan 'schneiden ‘ — ahd. snitâri 'Schnitter ). Das Althochdeutsche ist durch folgende Neuerungen vom rekonstruierten Germanischen unterschieden: 1. die 2. (hochdeutsche) Lautverschiebung | Diese 4 Wandelerscheinungen waren für die Entwicklung des deutschen phonologischen Systems von besonders weittragenden Bedeutung 2. die Monophthongierung. 3. die Diphthongierung 4. der i-Umlaut 5.die Verschiebung von germ. Þ > ahd. d Vokalismus Der Lautbestand der althochdeutschen Sprache sah so aus: kurze Vokale | a | e | i | o fehlt | u | ä | ö | ü lange Vokale | fehlt | ê | î | ô | û | æ | œ | iu Diphthonge | ei | ou | io | ie | iu | ia | uo Lautwandel in der vorliterarischen Zeit. Es fehlen der kurze Vokal o und der lange Vokal â. Diese Asymmetrie kann man durch folgende Vokalwandel erklären. 1) Den kurzen ide. o und a entsprach im Germanischen das kurze a ide. o | > germ. a ide. a lat. gostis > got. gasts, ahd. gast lat. ager > got. akrs 2) Den langen ide. ô und â entsprach im Germanischen das lange â ide. â | > germ. â ide. ô lat. flôrele > got. ahd. blôma lat. frâter > got. brôÞar 3) Dem ide. Diphthong ei entsprach im Germanischen das lange î Ide. ei >germ. î lat. steigo > got. ahd. stîgu lat. swinus > got. ahd. swin 4) In den nord- und westgermanischen Sprachen entwickelte sich das altgermanische e (e1) (durch die Zwischenstufe œ) zu â: e1 > â got. slepan — as. 'slâpan, ahd. slafan 'schlafen' got. jer — as., ahd. jâr 'Jahr' 5) In allen germanischen Sprachen entwickelte sich ein neues Phonem e2. Es ist anzunehmen, daß sich e2, dem Charakter des Klanges nach von e1 unterschieden hat. Althochdeutsche Monophthongierung Die germanischen Diphthonge ai und au wurden im Altsächsischen allgemein, im Althochdeutschen vor bestimmten Konsonanten zu ë und ö. a) der Diphthong ai wurde zu ë, wenn h, r, oder w folgte; sonst ai > ei: germ. ai > | ahd. ê (vor h, r, w ) sonst ahd. ei got. laisjan — as lêrian, ahd. lerem 'lehren' got. stain — äs. steil — ahd. stein 'Stein' b) der Diphthong au, wurde zu ô vor h und den Dentalen (d, t, s, n, r, l); sonst au > ou: germ. au > | ahd. ô (vor Dentalen und h) sonst ahd. ei got. hauhs — äs. höh, ahd. höh 'hoch' got. augo — as. ôga — ahd. ouga 'Auge' Althochdeutsche Diphthongierung. a) germanisches e (e2, ide. a) wurde im Althochdeutschen zu ia diphthongiert. germ. ê > ia got. rêd — ahd. riat In den Schriftdenkmälern der zweiten Hälfte des 8. Jh. steht noch e oder der Diphthong ea, z.B. her, hear 'hier'. Anfang des 9. Jh. wird e, ea > ia: hiar; in der zweiten Hälfte des 9. Jh. ia > ie: hier; b) germanisches ô wurde im Fränkischen zu uo diphthongiert: . germ. ô > ahd. uo got. brôpar — ahd. bruodar Im Bairischen blieb im 9. Jh. noch ô: for, das Alemannische hatte ua: fuar. Erst am Ausgang des 9. Jh. breitete sich das uo über den gesamten hochdeutschen Sprachraum aus. Im Altsächsischen blieb die Diphthongierung von ê und ô aus. Eine große Rolle spielte im Althochdeutschen der Vokalwandel im Wort- und Formenbildung. Mit diesem Vokalwandel sind folgende phonetische Erscheinungen verbunden: 1) Ablaut; 2) Brechung (Vokalharmonie); 3) Umlaut. 1. Ablaut Von drei Arten des Vokalwandels der deutschen Gegenwartssprache ist der Ablaut die älteste. Der Ablaut ist der Wandel des Stammvokals bei der Wort- und Formenbildung in den Wörtern, die sich in der ethymologischen Zusammenhang befinden. Die Ursache des Ablauts sucht man in den Qualitätsveränderungen der Betonnung. Er ist allen germanischen Sprachen eigen und hat seinen Ursprung im Indoeuropäischen, vgl. im Ukrainischen íåñòè — í³ñ — íîøà , âåçòè-â³ç-âîçèòè). Man unterscheidet zwei Arten des Ablauts: a) Qualitativer Ablaut (Abtönung) Hierbei ändert sich die Qualität eines Vokals. Die Artikulationsstelle des Vokals verschiebt sich. Der Vokal wird bald vorn, bald hinten gebildet: i – a; e – o u.a. lat. tego – toga ahd. nemen – nam b) Quantitativer Ablaut (Abstufung der Vokaldauer) Hierbei ändert sich die Qualität (Aussprachedauer) eines Vokals. Der Vokal kann normal als kurzer Vokal realisierte werden, kann gedehnt werden oder bei Unbetontheit bis zum völligen Schwund verkürzt werden. Damit unterscheidet man 3 Stufen des Ablauts: 1. Vollstufe (Normalstufe): der Vokal wird kurz: ahd. rîtan – ritt 2. Dehnstufe: der Vokal wird lang ahd. nam – nâmum 3. Nullstufe (Schwundstufe): ohne Vokal ukr. áåðó – áðàâ Diese quantitative Veränderung ist wahrscheinlich eine Wirkung der dynamischen Komponente des freien Wortakzentes. Eine besondere Art des Ablauts ergibt sich, wenn die ide. Halbvokale i und u oder Konsonanten m, n, l, r zu den ablautenden e und o hinzutreten. ide. | e | o | Ø (Null) germ. | e | a | Ø (Null) Aus der Verbindungen mit den Halbvokalen erhalten wir in der Vollstufe Diphthonge: germ. | +i | ei | oi +u | eu | ou (iu, io) In den Nullstufe werden diese Halbvokale als Vollvokale auftreten. i. | ide. | ei | oi | i germ. | ei | ai | i ahd. | î | ei/ê | i Erklärung: 1. ei > î (s. Lautwandel in der vorliterarischen Zeit) 2. germ. ai > | ahd. ê ahd. ei (s. Monophthongierung) 3. germ. Ø + i > î 3. germ. Ø + i > î got. steigan - staig - stigum - giscriban got. steigan - staig - stigum - giscriban Der Ablaut spielt eine grosse Rolle bei der Bildung der Zeitformen der starken Verben. I. ahd. scriban - screib - scribum - giscriban II. biogan - baug - bugum - gibogan III. werdan - ward - wurtum - wortan Der Ablaut ist auch ein Wortbildungsmittel, z.B. ahd. hano " Hahn"- " huon " " Huhn ", auch im Suffix : Nibelungen - Karolingen. Vokalharmonie (Brechung) Ein anderer Vokalwechsel ist Vokalharmonie. Vokalharmonie, auch Brechung genannt, ist die Hebung bzw. Senkung der Stammsilbenvokale unter dem Einfluß der Vokale der nachfolgenden Silben, also; eine regressive Assimilation. Sie war allen altgermanischen Sprachen eigen. Senkung | Hebung e | i o | u (eu)io, eo | iu (eu) a e o | i j u Hebung Die Hebung des e zu i geschah durch Einwirkung der Vokale der hohen Zungenlage i oder j der folgenden Silbe und vor n + Konsonant: germ. e > i vor ij,u, Nasal+Konsonant j in der Folgesilbe lat. ventus — ae., as. wind, ahd. wint 'Wind' ahd. erda 'Erde' — ahd. irdisc 'irdisch' Senkung Die Senkung des Phonems i zu e geschah vor dem Vokal der tiefen Zungenlage a: lat. piper — ahd. pfeffar 'Pfeffer' lat. sinapis — as. senep 'Senf' germ. i > e vor a,e,o in der Folgesilbe Die Senkung i > e vollzog sich aber nicht regelmäßig. Unter ähnlichen Positionsbedingungen vollzog sich der Wechsel von o und u: germ. u > o vor a, e, o in der Folgesilbe ahd. helfan—half — hulfum — giholfan 'helfen', wo die Formen hulfum — giholfan je nach dem Vokal der folgenden Silbe den Wechsel o — u haben. aber vor Nasalverbindung mm, mb, nn, nd findan — findu fundum — gefundan Der Diphthong eu wurde zu eo, io vor a, e, o der folgenden Silbe gesenkt und zu iu vor i(j), u der folgenden Silbe gehoben; germ. eu > eo, io vor a,e,o in der Folgesilbe ide. *teuta — ahd. deota germ. *beutan — ahd. beotan germ. eu > iu vor i,j,u in der Folgesilbe ahd. beogan, biogan 'biegen' — Präs. Sg. 1. biugu, 2. biugis(t), 3. biugit. In der deutschen Gegenwartssprache lebt die Vokalharmonie im Wechsel der Vokale e/i fort. Vgl. das Präsens starker Verben: ich gebe — du gibst, er gibt. Vgl. auch in der Wortbildung: Erde — irdisch, Berg — gebirgig, Feld — Gefilde. Die Brechung enstand vermutlich im I. Jh. n.Chr. und war in der ahd. Periode schon eine historische Erscheinung, d.h. sie trat nicht in allen Fällen ein: geholfan, geworfan aber gibuntan, funtan (gefunden ) Der i-Umlaut (Primärumlaut) Ein so zusagen lebendiger Vokalwechsel war im Ahd. der Umlaut. Das ist wie auch die Brechung ein assimilatorischer Vokalwandel, noch eine Art der Vokalharmonie. Der Umlaut war allen germanischen Sprachen eigen. Diese Erscheinung entwickelte sich in allen germanischen Sprachen im 8.Jh. Der Umlaut entsteht unter dem Einfluß des i oder j der folgenden Silbe. Seine Wirkung besteht darin, daß die Vokale der mittleren und hinteren Reihe palatalisiert, d. h. in Vokale der vorderen Reihe verwandelt werden. In der ahd. Zeit wurde nur das kurze a vor i (j) der folgenden Silbe zu e umgelautet (Primärumlaut): ahd. gast — Pl. gesti 'Gast — Gäste' ahd. alt—Komp. eltiro'—Superl. eltisto 'alt — älter — am ältesten' Der Umlaut a > e hatte in der althochdeutschen Zeit noch mehrere Ausnahmen: a wurde nicht umgelautet: vor ht, hs, rw: ahd. mäht — mähtig (vgl. Macht — mächtig) ahd. wachsan — wahsit (vgl. wachsen — wächst) In den oberdeutschen Territorialdialekten trat der Umlaut auch vor h, r + Konsonant, l +- Konsonant nicht ein: ahd. (fr., obd.) slahan — fr. slehit, obd. slahit (vgl. schlagen — schlägt) ahd. (fr., obd.) stark — fr. sterkiro, obd. starchiro (vgl. stark —stärker) Der Umlaut fehlte oft vor -l, -in, -lin, -nissi, z. B. ahd. magad — Diminutiv magatin 'Magd — Mägdlein', tag — tagalîn 'Tag — täglich'. Die meisten Umlauthinderungen wurden zu Beginn der mittelhochdeutschen Periode beseitigt, so daß seit dem 12. Jh. auch hier der Umlaut eintritt. Er wurde als ä bezeichnet (der sog. Sekundärumlaut): mähtig, wähset, mägede u. a. Seit dem Ausgang des 10. Jh. wurde der Umlaut des langen u orthographisch bezeichnet. Er wurde iu geschrieben: ahd. hus — PI. hûsir, seitdem 11. Jh. hiusir 'Haus — Häuser ‘. Konsonantismus Die althochdeutsche Lautverschiebung Die ahd. Lautverschiebung, auch die 2. Lautverschiebung genannt, ist in ahd. Zeit die wichtigste Erscheinung im Bereich des Konsonantismus. Sie unterscheidet das Konsonantensystem des Hochdeutschen von dem des Niederdeutschen und aller anderen germ. Sprachen. Die ahd. Lautverschiebung hatte nachhaltige Bedeutung, indem sie die Eigenart des deutschen literatursprachlichen Konsonantismus prägte. An dieser Lautverschiebung nahmen 2 Gruppen von Konsonanten teil: stimmlose germanische p, t, k (ide. b, d, g) stimmhafte germanische b, d, g (ide. bh, dh, gh) 1) die stl. germ. p, t, k wurden im In- und Auslaut des Wortes nach einem Vokal zu den stl. Reibelauten ff/f, zz/z, hh/h p > ff/f t > ?? /? k > hh/h got. slepan — ahd. slafan got. scip — ahd. skif (Schiff) as. fot — ahd. fuoz (Fuß) as. etan — ahd. ezzan (essen) got. makon — ahd. mahhon Diese Lautverschiebung umfaßte alle ahd. Territorialdialekte. Die Grenze zwischen den Hochdeutschen und Niederdeutschen geht von Düsseldorf am Rhein durch Magdeburg an der Elbe bis Frankfurt an der Oder. Diese Grenze ist die sogenannte Benrather Linie und wurde nach dem Ort Benrath genannt. 2) Die germ. stl. Verschlußlaute (Tenues) p, t, k wurden im Anlaut des Wortes, in der Gemination (Verdoppelung) von Konsonanten, im In- und Auslaut nach l, r, m, n zu pf, (t)z, kch p > pf t > (t)z k > (k)ch Diese Lautverschiebung umfaßt nicht alle ahd. Territorialdialekte. Sie bildet einige Stufen in der Verbreitung vom Süden nach Norden. t > (t)z as. tunga — ahd. tzunga (Zunge) as. herta — ahd. hertza (Herz) Diese Erscheinung umfaßt alle ahd Territorialdialekte. Unverschoben bleibt t in den Verbindungen tr, ht, ft, st) p > pf lat. piper — ahd. pfeffar as. appul — ahd. apful as. pund — ahd. pfund Diese Erscheinung kann man nur im Alemannischen, Bairischen und Ostfränkischen finden. k > (k)ch as. korn — ahd. kchorn (Korn) as. wekkian — ahd. wekchen Dieser Übergang fand nur im oberdeutschen Gebiet statt: Alemannisch, Bairisch und Ostfränkisch. 3) Die germ. sth. Reibelaute (Medien) wurden zu den Verschlußlauten b, d, g im Oberdeutschen aber verhärten sie sich zu den stl. Verschlußlauten p, t, k. vorahd. b > p (Bair., Alem) as. burg — bair. purc (Burg) vorahd. g > k (Bair., Alem) as. geban — bair. kepan (geben) Die Verschiebung b, d > p, t war nur dem Bairischen und Alemannischen eigen. Nur die Verschiebung von d > t fand auch im Ostfränkischen statt. as. drinkan — ahd. trinkan (trinken) as. biddian — ahd. bitten Der Ausgangspunkt der ahd. Lautverschiebung ist immer noch nicht vollständig geklärt. Beträchtliche Schwierigkeiten stellt auch die Datierung der ahd. Lautverschiebung dar. Jedenfalls neigt man dazu, das 6. Jh. als Beginn der ahd. Lautverschiebung anzusetzen. Entwicklung des germanischen p im Althochdeutschen Germ. Þ (got. Þ, as. th, d) wandelt sich im Laufe des Althochdeutschen zu d (über ð). Die Verschiebung von p >d (über ð) ist auf dem gesamten deutschen Sprachgebiet erfolgt, auch im Norddeutschen. germ. Þ > th\dh > ahd. d got. Þreis — as.thri, engl. tree — ahd. dhri, drî (drei) got. airÞa — as. ertha, ahd. ertha, erda (Erde) Der Lautbestand in der deutschen Literatursprache. Die deutsche Literatursprache hat die 2.Lautverschiebung in folgendem Umfang aufgenommen: p, t, k > ff/f, ??/? , hh/h im In- und Auslaut nach einem Vokal p, t > pf, (t)z im Auslaut nach einem Konsonanten und bei der Konsonantenverdoppelung (k > kch) bleibt aus d > t (b, g > p, k) bleiben aus Die 2. Lautverschiebung hatte nachhaltige Bedeutung für die Herauskristalisierung des Althochdeutschen. Sie vertiefte die Unterschiede in den phonologischen Systemen des Oberdeutschen und des Niederdeutschen. Das Niederdeutsche bewahrt somit den alten gemeingermanischen Konsonantenbestand, wie auch das Englische, Niederländische u.a. germ. Sprachen. Die westgermanische Gemination (Konsonantenverdoppelung) Das ist die Verdoppelung eines Konsonanten durch das folgende j. In dieser Stellung konnten alle einfachen Konsonanten (außer r) nach dem kurzen Vokal verdoppelt werden. got. bidjan >as. biddian, ahd. bittan got. satjan > as. settian, ahd. sezzen Im Ahd. ist, wie Beispiele zeigen, das j schon verschwunden. Selten ist noch j als e erhalten geblieben (in den Verben). Die Gemination tritt auch bei der Deklination der Substantive der ja- und jo-Stämme auf: mask.ahd. hrucki (got. hrukji) Rücken fem. Ahd. hella (got. halja) Hölle Die Gemination konnte auch vor Nasalen m, n, vor Liquiden r, l und vor w erfolgen. got. akrs — ahd. akkar Gemination durch Assimilation. Damit ist die Verdoppelung der Konsonanten l, m, n, s gemeint und bereits im Urgermanischen stattfindet. Diese Geminazen werden als vorhistorische Assimilation erklärt: ln > ll nw > nn got. namnjan > ahd. nemnen, nennen Andere phonetische Neuerungen 1) Bereits im Germanischen verschwand der Nasal n vor h, wodurch der vorhandene kurze Vokal der Stammsilbe zunächst nasaliert (z.B. a) und später gedehnt wurde. So entstanden die ahd. Präteritformen. brahta r) angenommen. Die Spuren des grammatischen Wechsels sind besonders gut im Paradigma des ahd. starken Verbs ausgeprägt. heffen — huobun werdan — wurtun ziohan — gizogan was — warun Sie kommen auch in der Wortbildung vor: snidan — snitari (schneiden — Schnitter) Der Konsonantenbestand Das System des ahd. Konsonantismus bietet nach der zweiten Lautverschiebung folgende Laute: - stimmlose Verschlußlaute (Tenues) (Explosivlaute) p, t, k, k - stimmhafte Verschlußlaute b, d, g, - stimmlose Reibelaute (Frikativlaute) f(ff), z (zz), hh, ch (Ach-Laut) - stimmhaften Reibelaut th - Affrikaten pf, z [tz], kch - Liquiden l, r - Nasale m, n - Halbvokale w [engl. w] - Spirants h DAS MORPHOLOGISCHE SYSTEM DES ALTHOCHDEUTSCHEN SUBSTANTIVS, ADJEKTIVS, PRONOMEN Das Althochdeutsch bleibt wie das Urgermanische eine flektierende Sprache. Sein morphologisches System evoluiert ziemlich langsam und bewahrt die meisten Kennzeichnen des Urgermanischen. DAS SUBSTANTIV Die Kategorien des Substantivs Das Substantiv hatte im Althochdeutschen dieselbe grammatische Kategorien wie heute — des Genus, des Numerus, des Kasus. Genera. Man unterscheidet im Althochdeutschen: Maskulinum Femininum Neutrum Numerus. Man unterscheidet im Althochdeutschen Singular und Plural. Kasus. Im Althochdeutschen sind 5 Kasus erhalten geblieben: Nominativ Genitiv Dativ Instrumentalis Akkusativ Der Gebrauch und die Bedeutung vom Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ stimmen im wesentlichen der deutschen Gegenwartssprache überein. Aber das Ahd-e hat auch einige Besonderheiten: 1) Der Genitiv hat im Althochdeutschen einen weitaus größeren Gebrauch als heutzutage. 2) Einige Deklinationstypen besitzen noch den Instrumentalis. Aber im Verlaufen der althochdeutschen Zeitperiode fiel dieses Kasus mit dem Dativ zusammen und begann allmählich zu verschwinden. Deklination der Substantive Das Substantiv bestand im Germanischen aus 3 Morphemen: Stamm Wurzel + stammbildendes Suffix(Thema) + Flexion (Endung) geb- -o- -m Übergangsperiode: Flexion Wurzel + stammbildendes Suffix(Thema) + Flexion (Endung) geb- -o- -m Althochdeutsch: Wurzel + Flexion geb- -om Im Althochdeutschen beeinflußte das stammbildende Suffix die Endung des Wortes. Je nach dem Typ des Themas sprechen wir von vokalischer und konsonantischen Deklination. Schon in ahd. Zeitperiode begannen die Substantive ihre stammbildenden Suffixe allmählich zu verlieren. Sie verschmolzen mit den Kasusendungen des Substantivs zu einem einheitlichen Morphem oder überhaupt verschwinden. Aber trotz dieser Prozesse bleibt der Einfluß der ide. Stammbildung auf die Flexion der Substantive im Althochdeutschen noch sehr stark. Die heutige starke Deklination der Substantive entwickelte sich aus der ehemaligen vokalischen Deklination, schwache dagegen aus der konsonantischen Deklination. Zu den vokalischen Stämmen gehörten im Althochdeutschen: a-Stämme m. tag, n. wort ja-Stämme m. hirti, n. kunni (Geschlecht). wa-Stämme m. sneo (Schnee), n. kniu (Knie) i-Stämme m. gast, f. kraft o-Stämme f. erda, zala jo-Stämme f. suntea (Sünde) Konsonantische Stämme: r-Stämme m. fater, f. muoter n-Stämme m. fiant (Feind) Zu den produktivsten Typen unter den ehemaligen vokalischen Stämmen gehörten: die a-Deklination (sie entspricht der ide. o-Deklination). Der a-Deklination gleichen sich die kleinen Gruppen der ja-Deklination und wa-Deklination an. Zu dieser Deklination gehören Maskulina und Neutra (m. tag, berg, fisk, kuning n. wort, lamb, jar, honag) Das Paradigma dieser Deklination sieht so aus: Sg. Pl. N. — -a G. -es -o D. -e -um Ak. — -a I. -u — | Maskulina | Neutra Sg.N. | tag | stein | wort G. | tag-es | stein-es | wort-es D. | tag-e | stein-e | wort-e A. | tag | stein | wort I. | tag-u | stein-u | wort-u,-o Pl. N. | tag-a | stein-a | wort G. | tag-o | stein-o | wort-o D. | tag-om (-un, -on) | stein-um -om | wort-um -un,-on A. | tag-a | stein-a | wort Nur im Nominativ und Akkusativ Plural beobachten wir stammbildendes Suffix a, aber dieses Suffix tritt schon in diesen Fällen als eine Endung aus. Die Deklinationstype ja- und wa- haben dieselben Endungen aber im Unterschied bewahren sie in allen Kasusen stammbildende Suffixe ja oder wa: | ja-Stämme | wa-Stämme Mask- | Neutra | Mask. | Neutra Sg.N. | hirt-i | kunn-i | sê-o | mel-o G. | hirt-es,-ies | kunn-es | sê-wes | mel-wes D. | hirt-e,-ie | kunn-e | sê-we | mel-we A. | hirt-i | kunn-i. | sê-o | mel-o I. | hirt-u | kunn-u Pl. N. | hirt-a | kunn-i | sê-wa | mel-o G. | hirt-o | kunn-eo,- | sê-wo | mel-wo D. | hirt-im, -um | kunn-im -um | sê-wum | mel-wum A. | hirt-a | kunn-i | sê-wa | mel-o Die zweite selbständige Deklinationstyp ist die i- Deklination. Zu dieser Deklination gehören im Ahd nur Maskulina und Feminina (m. gast, apful, wirt f. kraft, anst, stat) Die Maskulina werden im Singular nach den a-Typ flektiert: (Beispiele s. Tabelle oben) Charakteristisch für diese Deklination ist der Umlaut des Wurzelvokals unter dem Einfluß des nachfolgenden i. | o-Stämme | jo-Stämme | i-Stämme | u-Stämme Feminina | Maskulina | Feminina | Maskulina Sg.N. | geb-a, | sunt-ia,-ea | gast | stat | sun-us G. | geb-a,-u, -o | sunt-ia,-ea | gast-es | stet-i | sun-u D. | geb-u, -o | sunt-iu | gast-e | stet-i | sun-aus A. | geb-a | sunt-ia,-ea | gast | stat | sun-au I. —— | gast-u | stet-iu — Pl. N. | geb-a | sunt-ia,-ea | gest-i | stet-i | sun-jus G. | geb-ono | sunt-eono | gest-o | stet-o | sun-uns D. | gebom | sunt-om | gest-im | stet-im | sun-iwe A. | geb-a | sunt-ia,-ea. | gest-i | stet-i | sun-um Zur o-Deklination gehören die Substantive des weiblichen Geschlechts (f. erda, geba, zala) (s. Tabelle oben) Im G., D Pl. weisen die Substantive dieser Deklination die gleichen Formen mit n-Deklination auf. Konsonantische Stämme Der produktivste Typ — n-Stämme. Dazu gehören Substantive aller 3 Geschlechter m. namo, hano, garto f. zunga, sunna, bluoma n. herza, ora, ouga n-Stämme r-Stämme nt-St. ir-St. Maskulina Neutra Fem. Mask. Fem. Neutra Sg. N. nam-o oug-a zung-a bruod-er friunt lamb G. nam-en,-in oug-en zung-un bruod-er friunt-es lamb-es D. nam-en,-in oug-en zung-un bruod-er friunt,-e lamb-e A. nam-on,-un oug-a zung-un bruod-er friunt lamb I. — — — —- - lamb-u Pl. N. nam-on,-un oug-un zung-un bruod-er friunt,-a lemb-ir G. nam-ono oug-ono zung-ono bruod-ero friunt-o lemb-iro D. nam-om oug-om zung-om, bruoderum friuntum lemb-irum -on -un,on -un A. nam-on,-un oug-un zung-un . bruod-er friunt,-a lemb-ir Der Artikel Im Althochdeutschen bildet sich eine neue grammatische Kategorie des Substantivs — die Kategorie der Bestimmtheit/Unbestimmtheit heraus. So wurde der Artikel ins Leben gerufen. Der Artikel drückt somit die grammatischen Kategorie des Genus, Numerus und Kasus des Substantivs aus. Das Adjektiv Im Althochdeutschen unterscheidet man die schwachen und die starken Deklinationstype von Adjektive. Die starke Deklination nennt man die pronominale Deklination, weil die Endungen des Adjektivs mit den Endungen der Demonstrativpronomen zusammenfallen. Mask. Neutr. Fem. Sg. N. blint, blint blint. blint-er blint-az blint-iu, -u G. blint-es blint-era. D. blint-emu,-emo blint-eru,-ero. A. blint-an blint, blint-a blint-az I. blint-u,-o Pl. N blint-e blint-iu,-u blint-o (blint) (blint) (blint) G. blint-ero. D. blint-em,-en A. blint-e blint-iu,-u blint-o Die schwache Deklination nennt man die nominale Deklination, weil die Endungen des Adjektivs mit den Endungen des Substantivs der schwachen Deklination zusammenfallen. Mask. Neutr. Fem. Sg. N. blint-o blint-a blint-a G. blint-en,-in blint-un D. blint-en,-i blint-un Ak. blint-on blint-a blint-un Pl. N. blint-on, blint-un, blint-un -un, -on G. blint-ono blint-ono D. blint-om,-on blint-om,-on Ak. blint-on,-un blintun,-on blint-un Die Steigerungsstufen der Adjektive Im Althochdeutschen unterscheidet man 3 Steigerungsstufen der Adjektive: Positiv, Komparativ, Superlativ. Komparativ wird mit Hilfe der Suffixe -ir/-or gebildet, der Superlativ — mit Hilfe –ist/-ost: skoni — skon-ir-o — skon-ist-o salig — saligoro — saligosto lang — leng-ir-o — leng-ist-o managfalt — managfaltô-r-o — managfaltô-st-o Die Adjektive, die auf i endeten, bekamen im Komparativ und Superlativ nur Suffixe –ir und –ist. aber: guot — bezziro — bezzisto «gut» ubil — wirsiro — wirsisto «schlecht» mihhil — mero — meisto «groß» luzzil — minniro — minnisto «klein» Es sei hier bemerkt, dass diese Bildungsweise der Steigerungsstufen auch für andere Sprachen typisch ist (z.B. Ukrainisch). äîáðèé — êðàùèé — íàéêðàùèé ïîãàíèé — ã³ðøèé — íàéã³ðøèé Das Pronomen Das ahd-e Pronomen verfügte über folgende grammatischen Kategorien: Genus — Maskulinum, Femininum und Neutrum Numerus — Singular, Plural Kasus — die gleiche Form von Kasusen wie beim Substantiv Personalpronomen 1.P. 2.P. 3.P. Mask. Neutr. Fem. Sg. N. ih du er iz siu,sie,si G. min din sin es,is ira,-u,-o D. mir dir imo,-u imo,-u iru,-o A. mih dih inan,in iz sia Pl. N. wir ir sie siu sio G. unser iuwer iro iro iro D. uns iu im im im A. unsih iuwih sie siu sio. Possessivpronomen Possessivpronomen sind von den Genitivformen der Personalpronomen und vom Reflexivpronomen sin gebildet. Sg. min din sin sin ira Pl. unser inwer iro Sie werden wie starke Adjektive dekliniert: Mask. Neutr. Fem. Sg. N.. miner minaz miniu G. mines minera,-eru,-ero D minemu,-emo mineru,-ero A. minan minaz min I. mine miniu mino min mi Pl. N. min G. minero minem,-en D. min A. mine miniu mino Demonstrativrponomen (der, deser, jener, soliher) Mask. Neutr. Fem. Sg. N. der daz diu G. des dera,-u,-o D. demu,-o deru,-o A den daz dea,dia,die I. diu Pl. N. de diu deo,dio (dea,dia,die) G. dero D. dem,-n A. de diu deo, dio (dea,dia,die) Aus den Demonstrativpronomen der, diu, daz entwickelte sich der bestimmte Artikel. Die demonstrative Funktion übernahm seine erweiterte Form — ein zusammengesetztes Demonstrativpronomen (einfache Demonstrativpronomen + Hinweisender Partikel se) m. deser n. diz f. Desin DAS VERB Das Verb besaß im Althochdeutschen folgende grammatischen Kategorien: 1) Die Kategorie der Zeit (Tempus) Das Ahd-e besaß nur 2 Zeitformen — Präsens und Präterit. Das Präterit war eine universelle Zeitform zum Ausdruck der Vergangenheit. Das Präsens gebrauchte man auch zum Ausdruck der Handlung in der Zukunft. 2) Die Kategorie des Modus. Das Ahd-e besaß wie heute 3 Modi: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ. 3) Die Kategorie der Genera. Im Althochdeutschen fehlte das Passiv und diese grammatische Kategorie fungierte nicht in demselben Umfang wie heute. Das Althochdeutsche besaß folgende Gruppen von Verben: 1) starke Verben; 2) schwache Verben; 3) unregelmäßige Verben Starke Verben Die starken Verben werden nach dem Charakter des Ablauts im Wurzelmorphem in 7 Ablauts reihen eingeteilt. Der Haupttyp des Ablauts war e a 0 (Null) Die Vielfalt der Ablautsreihe war dadurch bedingt, dass der ablautende Vokal in Verbindung mit dem folgenden Vokal oder Konsonanten im Wurzelmorphem verschiedene Lautkombinationen ergab. Dadurch entstanden in einigen Ablautsreihen auch einige Untertypen. Man unterscheidet im Althochdeutschen 4 Grundformen des Verbs: Infinitiv Präteritum Sg. Präteritum Pl. Partitzip 2 helf-an half- hulf-um giholfan Ablautsreihe zerfällt in 1. und 2. Untergruppen: i — ei — i — i i — e — i — i 1. ahd. grifan — greif — grifum — gigrifan got. greipan — graip — gripum — gripans mhd. grifen — greif — grifen — gegrifen 2. ahd. zihan — zeh — zigum — gizigen got. teihan — taih — taihum — taihans mhd. zihen — zech — zigen — gezigen Erklärung: 1) e + i = ei > i In der 1. Grundform hatte der ablautende Vokal die Lautform e, die Verbindung mit dem nachfolgenden i ergab den Diphthong ei, der (noch in der vorliterarische Zeit) zu i wurde. 2) a + i = ai > ei/e (h, r, w) Der ablautende Vokal hatte die Lautform a (germ. o). Eine Verbindung mit dem nachfolgenden i ergab ai. Im Althochdeutschen entwickelte sich der Diphthong ai zu ei, ôder wurde vor h, r, w zu e monophthongisiert. 3) In den dritten und in der vierten Grundform war der ablautende Vokal durch die Null vertreten, so dass hier das i allein erscheint und zum silbischen i wird. Ablautsreihe zerfällt wieder in 2 Untergruppen: io — ou— u — o io — o — u — o 1. ahd. liogan — loug — lugum — gilogan got. liugan — laug — lugum — lugans mhd. liegen — louc — lugen — gelogen 2. ahd. giozan — goz — guzzum — gigozzan got. giutan — gaut — gutum — gutans mhd. giezen — goz — guzzen — gegozzen 1) e + u = eu > eo (Variante eu), später io 2) a + u = au > ou/o (h, r, w, Dent) 3) u + 0 = u 4) u + 0 = u > o (Brechung, Einfluß des Vokals) Ablautsreihe zerfällt wieder in 2 Untergruppen: i\e — a — u — u\o 1. ahd. bintan — bant — buntum — gibuntan got. bindan — band — bundum — bundans mhd. binden — bant — bunden — gebunden 2. ahd. werfan — warf — wurfum — giworfan got. wairpan — warp — waurpum — waurpans mhd. werfen — warf — wurfen — geworfen 1) In der 1. Grundform steht e. Vor den Nasalen n, m erfolgt Vokalhebung e > i; 2) In der 2. Grundform a; 3) In den 3. und 4. Grundformen vertritt die Null im Partizip 2 Brechung u > o (vor a) und u > u (vor n, m,) Ablautsreihe e — a — a — o ahd. neman — nam — namum — ginoman got. niman — nam — nemum — numans mhd. nemen — nam — namen — genomen 1) e 2) a 3) Null — Dehnstufe (Ablaut-Quantitativ) e > a 4) Null — u > o (a) Ablautsreihe e — a — a — e ahd. geban — gab — gabum — gigeban got. giban — gaf — gebum — gibans mhd. geben — gap — gaben — gageben 1) e 2) a 3) Dehnstufe e > a 4) e (folgt Geräuschlaut) Ablautsreihe Die Verben diesen Reihe haben einen besonderen typ des Ablauts. In der germ. Sprachen beobachten wir hier Wechsel: a — uo — uo — a (o > uo) ahd. faran — fuor — fuorum — gifaran got. faran — for — forum — farans mhd. faren — fuor — fuoren — gefaren Ablautsreihe a — ia — ia — a ei — ia — ia — ei ou — io — io — ou uo — io — io — uo Hat auch einen besonderen Typ des Ablauts. In der 2. und 3. Grundform kommen hier Diphthonge ia, io vor. In der 1. Grundform können verschiedene Vokale oder Diphthonge erschienen. Die 4. Grundform hat denselben Vokal oder denselben Diphthong, wie die 1. Grundform. 1. ahd. lazan — liaz — liazzum — gilazzan got. letan — lailot — lailotum — letans mhd. — — — — 2. ahd. heizan — hiaz — hiazum — giheizan got. haitan — haihait — haihaitum- haitans mhd. heizen — hiez — hiezen — geheizen 3. ahd. loufan — liof — liofum — giloufan got. aukan — aiauk — aiaukum — aukans mhd. loufen — lief — liefen — geloufen Konjugation der starken Verben im Präsens Die einfachen starken Verben haben im Althochdeutschen im Präsens drei Morpheme: 1) Wurzelmorphem; 2) Suffix des Präsens (Themavokal); 3) Flexion (Personalendung). Das Themavokal ist ein Bildungselement des Präsensstammes und kennzeichnet diesen gegenüber den anderen Stammformen. In verschiedenen Personen des Präsens hat es die Lautformen i – a (nach dem Ablaut). Personalendungen des Präsens: Sg. 1. -u Pl. 1. -mes 2. -s(t) 2. -et 3. –t 3. -nt bintan (binden) Sg. 1. bint-u Pl. 1. bint-a-mes 2. bint-î-s(t) 2. bint-et 3. bint–î-t 3. bint-a-nt Der Themavokal erscheint in der 2. und 3. P. Sg. als –i , in der 1. und 3. P. Pl. als –a und in der 1. P.Sg und 2. P.Pl ist er mit Personalendung verschmolzen. In der althochdeutschen Epoche entwickelt sich im Wurzelmorphem der starken Verben der 6. Ablautsreihe der Umlaut a > e unter dem Einfluß des Themavokals –i: faran (fahren) Sg. 1. far-u Pl. 1. far-a-mes 2. fer-î-s(t) 2. far-et 3. fer–î-t 3. far-a-nt Die starken Verben der 3., 4. und 5. Ablautsreihen haben im Präsens die Vokalhebung e > i. geban (geben) Sg. 1. gib-u Pl. 1. geb-a-mes 4. gib-î-s(t) 2. geb-et 5. gib–î-t 3. geb-a-nt Die starken Verben der 2. Ablautsreihe haben unter dem Einfluß der Personalendung der 1. P.Sg –u und des Themavokals –i in 2. und 3. P.Sg. die Vokalhebung io > iu (Brechung): biogan (biegen) Sg. 1. biug-u Pl. 1. biog-a-mes 2. biug-î-s(t) 2. biog-et 3. biug–î-t 3. biog-a-nt Schwache Verben Diese Verben weisen im Althochdeutschen die dreigliedrige Struktur auf. Diese dreigliedrige Struktur war für das germanische Wort charakteristisch. Je nach dem stammbildenden Suffix unterscheidet man imAlthochdeutschen 3 Klassen der schwachen Verben. 1. Klasse jan- Verben suochenn (got. sokjan) 2. Klasse on-Verben (mit dem stammbildenden Suffix) salbon (salben) 3. Klasse en-Verben (mit dem stammbildenden Suffix) leben (leben) 1. Klasse Im Althochdeutschen ist das germ. Suffix j schon reduziert. Man kann dieses Suffix nur im Gotischen finden. Aber dieses –j- hat den Umlaut hervorgerufen: got. sandjan > ahd. sendan Im Althochdeutschen erscheint das Suffix –j- im Präteritum als selbständiges Morphem nicht mehr. Das Suffix tritt im Präteritumstamm vielen schwachen Verben und im Partizip II aller Verben. z.B. legg-en leg-i-ta gileg-it 2. Klasse Die Verben weisen das das lange Suffix o auf. Das ist eine große Gruppe von am meisten sind transitiv und von Substantiven gebildet z.B. ahd. fisc – fiskon Suffix o erscheint in allen Grundformen des Verbs fiscon – fiskota – gifiskot 3. Klasse Die schwachen Verben haben das lange Suffix –e. Das sind intransitive Verben, die von einem Subatantiv- oder Adjektivstamm gebildet sind. Das sind Verben, die einen Zustand bezeichneten. ahd. alt elten — elteta — gieltet Koniugation der schwachen Verben im Präsens und Präteritum 1. Klasse von schwachen Verben Das Präsens der schwachen Verben der 1. Klasse wird gleich dem Präsens der starken Verben gebildet: z.B. teilen Sg. 1. teil-u, -o Pl. 1. teil-amês, -emês, 2. teil-is(t) 2. teil-et 3. teil –it 3. teil-e-nt, Im Präteritum hängt das Schicksal des stammbildenden Suffixes –i von der Quantität des Wurzelmorphems ab. Wenn die Silbe bei den Verben der 1. Klasse offen ist, so haben die Verben im Präteritum und Partizip II keine Endung. Wenn die Silbe geschlossen ist, so beobachten wir Suffix –i. Personalendungen des schwachen Präteritums: Sg. 1. -a Pl. 1. -um 2. –os(t) 2. -ut 3. -a 3. -un 2. und 3. Klassen von schwachen Verben Die schwachen Verben der 2. und 3. Klassen haben in allen Formen die stammbildenden Suffixe –o bzw. –e. Das Präsens dieser Verben wird nach folgendem Modell gebildet: Wurzelmorphem + stammbildendes Suffix + Flexion lobon sagen Sg. 1. lob-ô-m -ôn sag-ê-m –ôn 2. lob-ô-s(t) sag-ê-s(t) 3. lob-ô-t sag-ê-t Pl. 1. lob-ô-mês sag-ê-mês -ôn, -ôên 2. lob-ô-t sag-ê-t –t 3. lob-ô-nt sag-ê-nt –nt Das Präteritum der schwachen Verben der 2. und 3. Klasse wird nach folgendem Schema gebildet Wurzelmorphem + stammbildendes Suffix + Suffix des Präteritums -t- + Flexion Sg. 1. lob-ô-t-a sag-ê-t-a 2. lob-ô-t-ôs sag-ê-t-ôs 3. lob-ô-t-a sag-ê-t-a Pl. 1. lob-ô-t-um sag-ê-t-um 2. lob-ô-t-ut sag-ê-t-ut 3. lob-ô-t-un sag-ê-t-un Partizip II gi-lob-o-t gi-sag-e-t Unregelmäßige Verben Im Althochdeutschen gehören dazu 1. Gruppe tuon, gen, sten Die Verben haben keinen Themavokal (stammbildendes Suffix). Außerdem haben sie im Präsens in der 1. P.Sg. eine archaische Personalendung –m. Diese Endung kann man auch in den anderen ide. Sprachen finden. Z.B. ñòàðîñë. åñìü lat. sum Präsens tuon gên stên Sg. 1 tuo-n gâ-m, gê-n. stê-n 2 tuo-st, tûis gê-s(t) stê-m 3. tuo-t gê-t stê-s(t) Pl. 1. tuo-mês gê-mês stê-mês 2. tuo-t gê-t stê-t 3. tuo-nt gê-nt stê-nt Das Wurzelmorphem dieser Verben ist auch eigenartig. Es endet auf einen Vokal. Das Verb tuon hat im Präteritum eine Reduplikation. Wir bekommen die Form teta. Präteritum Sg. 1. teta Pl. Pl. 1. tâtum(ês) 2 tâti 2. tâtu(n)t 3 teta 3. tâtun Partizip II — gitan 2. Gruppe wesan, sin > sein Am Paradigma dieses Verbs beteiligen sich 3 verschieden Wurzelmorpheme: Bei der Pluralbildung kommen 2 ide. Wurzel vor: 1) es (asl. åñìú, dt. ist, rus. åñòü, lat. esse, ukr. º) 2) bhu (asl. áûòü, dt. bin, bist, ukr. áóâ) 3) Im Präteritum und Partizip II beteiligt sich die 3. Wurzel wes. Das ist nur germanische Wurzel. Präsens Präteritum Sg. 1. bim,bin Sg. 1 was 2. bist 2. wâri 3. ist 3. was Pl. 1. birum Pl. 1. wârum 2. birut 2 wâru(n)t 3. sint 3. wârun Die Verben Präterito – Präsentia Diese Verben bilden die präsentische Formen nach dem Muster des starken Präterits. Zu dieser Gruppe gehören im Althochdeutschen mehr Verben als heute: ahd. wizzan (wissen), eigan (besitzen, haben), unnan (gönnen), kunnan (können), durfan (dürfen), mugan (mögen), muozzan (müssen) die unpersönlichen Verben tuog (es hilft), ginah (es genügt) das defektive Verb gitar (ich wage) – Prät. Sg. gitorsta. Ihre kennzeichen sind: 1) Die Nullflexion in der 1. und 3. P. Sg. 2) Diese Verben weisen dieselbe Stufen des Ablauts auf wie die starken Verben. z. B. 1. Ablautsreihe steigan — steig — stigum — gistigan weiz — wizzum 2. Ablautsreihe helfan — half — hulfum — giholfan darf — durfum kann — kunnum Die präsentischen Formen weiz, darf, scal, mag, muoz sind die alten Präterita Singular. Der Infinitiv dieser Verben ist kaum belegt. Das Partizip II kommt in ahd. Texten auch selten vor. Infinitiv Präsens Präterit PartizipII wizzan «wissen» weiz\wizzun wissa\ giwizzan wista\westa durfan «dürfen» darf\durfun dorfta — kunnan «können» kan\kunnun konda — — «müssen» muoz\muozun muosa, muosta — scolan «sollen» scal\sculun scolta — magan\ «mögen» mag\magun, mahta, — mugan mugun mohta — «es taugt, toug\tugun tohta — hilft» — «wagen» gitar\giturrun gitorsa — unnan «gönnen» an\unnun onda — — «es genügt» ginah — — — «wir haben» \eigun eigan — Hauptcharakterzüge des althochdeutschen Satzbaus. Der einfache Satz. Das typische Satzmodel im Althochdeutschen ist eine zweigliedrige Struktur mit Subjekt und Prädikat: z.B. Elias stírit pî den êuuigon lîp.(Elias kämpft für das ewiges Leben) Zwar findet man in ahd. Texten ellyptische Sätze mit ausgelassenem Subjekt, doch diese entsprechen meistens dem lateinischen Originaltext. Die unbestimmt-persönlichen Belege mit dem Pronomen man sind in den ahd. Texten noch bei weitem nicht eindeutig. z.B. Mit gêru scal man gebe infâhan. (Mit dem Speer soll ein Mann die Gabe empfangen. Mit dem Speer soll man die Gabe empfangen) Die unpersönlichen Sätze erhalten bereits im Althochdeutschen zweigliedrige Struktur: z.B. Ez ist spâti. (Es ist spät). Vgl. ukr. Ñìåðêàº. lat. Pluit — Es regnet. Die Wortfolge. Der ahd. Satz besitzt noch eine relativ freie Wortfolge. Das Subjekt kann die erste Stelle einnehmen oder dem Prädikat nachgestellt werden. Die zweite Stelle im einfachen Aussagesatz ist nicht immer durch das finite Verb besetzt. (es kann die Schluß- oder die Anfangsstellung besetzen). Im Fragesatz ohne Fragewort ist die Anfangsstellung des Prädikats die häufigste. Für die Verneinung wird im Ahd. das Partikel ni (ne) gebraucht: Als zusätzliche Negationsmittel fungieren auch nioman, niowiht, nieht (nicht). Im Unterschied zum Nhd. kommt im Ahd. die doppelte Verneinung nicht selten vor. Der komplexe Satz Schon die ersten althochdeutschen Sprachdenkmäler erhalten verschiedene Typen komplexer sätze: (Subjekt-, Objekt-, Prädikativ-, Adverbial- und Attributtsätze). Die Satzverbindung hat im Althochdeutschen zwei Hauptmodelle: 1) die konjunktionslose Satzverbindung der Teilsätze sind nur durch Intonation miteinander verbunden; 2) mit konjunktionalen Verbindung der Teilsätze. Die gebräuchlichsten Konjunktionen sind: 3) inti (und), ioh (und), ouh (auch), doh (doch), aher (aber), odo (oder). Das Satzgefüge Das Ahd-e besitzt Gliedsätze für alle Satzglieder d.h. Subjekt, Objekt, Prädikativ, Adverbial und Attribut. Diese Gliedsätze werden durch Relativpronomen hwer, war, ther, thiu, thaz oder Konjuktionen thaz (dass); oba (ob); tho, thar, sô (da); after thiu (nachdem), er (ehe); mit thiu (während) u.a eingeleitet. Die Wortstellung im Gliedsatz Die Endstellung des Prädikats gilt im Althochdeutschen noch nicht immer als Regel. Doch kam sie in den Gliedsätzen schon häufig vor. Auch die Teile des zusammengesetzten Prädikats haben noch keine feste Stellung.
Ðåôåðàòû ïî èíîñòðàííûì ÿçûêàìAlthochdeutsch. Die zeitlichen und räumlichen Grenzen. Die althochdeutsche Periode umfaßt ca. drei Jahrhunderte, also von 770 bis 1050. 770 ist der