Kultur (lat. cultura), also Pflege (des Kцrpers, aber primдr des Geistes), spдter im Kontext mit dem Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, ursprьnglich etwa emsig beschдftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen. Diese steht im Gegensatz zu . Kultur ist das ьber den Grundbedarf hinausgehende Potential, welches vor allem durch Nahrungsьberfluss in den Kulturvцlkern zu Wissenschaft und Kьnsten genutzt werden konnte. Umgangssprachlich "hat Kultur", wer "" ist, im Gegensatz zu "unkultiviert", "roh" oder "". Weitere Definitionsmцglichkeiten gibt in seinem Werk (Kulturgeschichte der Menschheit) folgende populдre Definition. Dieser Kulturbegriff spart prдhistorische Kultur aus: „Kultur ist soziale Ordnung, welche begьnstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: Wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissenschaft und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden. Neugier und Erfindungsgeist werden frei, wenn die Angst besiegt ist, und der Mensch schreitet aus natьrlichem Antrieb dem Verstдndnis und der Verschцnerung des Lebens entgegen.“ Nach ist Kultur „Fortschritt, materieller und geistiger Fortschritt der einzelnen wie der Kollektivitдten„. Der Fortschritt bestehe „zunдchst darin, dass fьr die Einzelnen wie fьr die Kollektivitдten der herabgesetzt„ werde. Letztes Ziel der Kultur ist nach „die geistige und sittliche Vollendung des Einzelnen„: „Der Kampf ums Dasein ist ein doppelter. Der Mensch hat sich in der und gegen die Natur und ebenso unter den Menschen und gegen die Menschen zu behaupten. Eine Herabsetzung des Kampfes ums Dasein wird dadurch erreicht, dass die Herrschaft der Vernunft ьber die Natur sowohl wie ьber die menschliche, stinkende Natur sich in grцЯtmцglicher und zweckmдЯigster Weise ausbreitet. Die Kultur ist ihrem Wesen nach also zweifach. Sie verwirklicht sich in der Herrschaft der ьber die Naturkrдfte und in der Herrschaft der Vernunft ьber die menschlichen Gesinnungen.“ (, Kultur und Ethik, , S. 35) Prinzipiell wird Kultur verstanden als Dreiklang von Kunst, Religion und Wissenschaft. Im engeren Sinne lassen sich die folgenden Bereiche unterordnen: , , sowie die Funktionen der Gesellschaft , , , und . Die versteht unter Kultur ein gьltiges Sinnsystem oder die Gesamtheit der miteinander geteilten verhaltensbestimmenden Bedeutungen. kцnnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame "Wissen" kennzeichnen, das heiЯt als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen hinsichtlich ьblicher Verhaltensweisen, Werthaltungen, sozialer Deutungsmuster und Weltbilder die von entwickelt und zu Allgemeingut wurden. In Anlehnung daran entwickelten und wie oder sogenannte , mit deren Hilfe sie kulturelle Denkmuster charakterisieren und schematisieren. Johann Wolfgang Goethe ging sogar soweit, dass in seinem Kulturbegriff „weder die Kleidung noch die Ess- und Trinkgewohnheiten, weder die Geschichte noch die Philosophie, weder Kьnste noch die Wissenschaft, weder die Kinderspiele noch die Sprichwцrter, weder das Klima noch die Landschaftsformen, weder die Wirtschaft noch die Literatur, weder das Politisch noch das Private noch der Hinweis auf ‚Schдden durch Abholzung der Berge’ fehlen.“ Verschiedene Definitionen des Begriffes spiegeln verschiedene Theorien der Bewertung und des Verstдndnisses menschlichen Tuns wider. haben Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn eine Liste von ьber 200 verschiedenen in ihrem Buch (Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions) zusammengetragen. In der nordamerikanischen cultural anthropology (der in der englischen die social anthropology entspricht) wird culture ("Kultur") oft gleichbedeutend mit society ("Gesellschaft") benutzt (vor allem bei , vergleiche , und ). Etymologie Das Wort Kultur kommt aus dem Lateinischen. Das lateinische Wort Cultura bedeutet Landwirtschaft, Feldbestellung, bebautes Land (zurьckgehend auf das Verb colere, colo, colui, cultus - pflegen, anbauen) - als Gegensatz zu Natur - und so wurde das Wort Kultur bis ins 19. Jahrhundert verwendet, wдhrend fьr die heutige Bedeutung des Begriffes Kultur mehrheitlich das Wort Kunst seine Anwendung findet. Entstehung der Kultur Die vier entscheidenden Schritte des Menschen auf dem Weg zum Kulturwesen () sind vielleicht folgende gewesen, wobei sich der Ьbergang von der natьrlichen zur kulturellen Weiterentwicklung nicht scharf trennen lдsst und die Reihenfolge nicht chronologisch sein muss. Die Entwicklung der Sprache (=>) Die extensive Nutzung von Die Zдhmung des Die Entwicklung von expliziten Regeln und Formen des Zusammenlebens (, , Diakonie und Medizin ) Entwicklung des Kulturbegriffs Gelehrte des und und viele Menschen heutiger Zeit setzen Kultur gleich mit und sehen beides im Gegensatz zur Natur. So wurden Menschen, denen Elemente einer fehlten, oft als naturverbunden, bodenstдndig und im negativen Sinne als unzivilisiert bezeichnet. Die "gehobene" Kultur wurde kritisiert oder auch verteidigt, da sie die menschliche Natur unterdrьcke. Kultur in Abgrenzung zur war und ist teilweise heute noch definiert als das Fehlen цkonomischer Notwendigkeit und Betonung des Rituellen, so z. B. ein nach allen Regeln der Kunst gedeckter Tisch als Gegensatz zu ausschlieЯlich "sinnvoller" Bestьckung. Im spдten 19. Jahrhundert plдdierten fьr eine breitere Definition des Begriffes Kultur. Sie wollten das Wort auf eine Vielzahl von verschiedenen Gesellschaften anwenden kцnnen. Sie argumentierten, die Kultur entsprдche der menschlichen Natur. Die Kultur habe ihre Wurzeln in der menschlichen Fдhigkeit, Versuche systematisch auszuwerten und deren Ergebnisse in Schrift und Sprache weiterzugeben. Deswegen entwickeln Menschen, die getrennt voneinander leben, einzigartige Kulturen. Trotzdem kцnnen sich Elemente verschiedener Kulturen heute leicht von einer Menschengruppe zu einer anderen ausbreiten. Es wurde also notwendig, methodisch und theoretisch nьtzlichere Definitionen des Wortes Kultur zu entwickeln. Dabei unterscheiden die zwischen einer materiellen Kultur und einer symbolischen Kultur (Schrift und Sprache). Der Unterschied spiegelt nicht nur verschiedene menschliche Tдtigkeiten wider. Man braucht auch verschiedene Untersuchungsmethoden, um beide Bereiche zu beschreiben und zu untersuchen. In der Regel konzentrieren sich die auf die materielle Kultur und die auf die symbolische Kultur. Beide wollen aber letztendlich auch wissen, wie diese zwei Bereiche zusammenhдngen. Darьber hinaus bezieht sich der Begriff Kultur fьr die Anthropologen nicht nur darauf, wie Gьter verbraucht werden, sondern auch darauf, wie sie produziert werden und wie sie fьr die Menschen bedeutsam werden. Die Anthropologen wollen darunter auch die sozialen Beziehungen und Handlungsweisen verstehen, in welche die Dinge des tдglichen Lebens einbezogen werden. forderten einige Anthropologen, den Kulturbegriff auf auszudehnen. Kultur ist in Zeiten des Umbruchs und der Verдnderung auch ein Modewort geworden: Kultur wird mit groЯem Aufwand als Event inszeniert und als ein wirtschaftlicher Impulsgeber konsumierbar gemacht (""). Dadurch unterminiert der Kulturalismus den eigentlichen Kulturbegriff. Dominanzkultur Der Begriff Dominanzkultur wurde von 1995 zur Beschreibung entwickelt. Danach erklдren sich Formen der Ausgrenzung – wie die des – wesentlich durch die kulturellen Normen einer Gesellschaft und nicht, wie vielfach angenommen wird, durch die kulturelle Verunsicherung der Mehrheitsgesellschaft durch ihr fremde Kulturen oder durch neue emanzipatorische Bewegungen. Mit dieser Dominanzkultur gehen Formen der "Einverleibung" fremder bzw. neuer Kulturen einher: " (1984) hat die Konfliktlцsung qua Dominanzverhalten als 'Alexandersyndrom' beschrieben: Jede Grenze zu einem neuen Land, zu einem unbekannten Territorium war fьr Provokation genug, um es unterwerfen zu mьssen. Er war getrieben, alles Neue sich und seinem Reich einzuverleiben." Literatur Baumer, Thomas: Handbuch Interkulturelle Kompetenz (2 Bдnde). Verlag Orell Fьssli, Zьrich. und : . Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, 2 Bдnde, Frankfurt a. M.: Suhrkamp І1976. : Dichte Beschreibung. Beitrдge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt a. M. 1987. Kaschuba, Wolfgang: Einfьhrung in die Europдische Ethnologie, 2. Aktualisierte Auflage, Mьnchen 2003. : Kultur und Ethik. Birgit Rommelspacher (1995): Dominanzkultur. Texte zu Fremdheit und Macht, Orlanda Frauenverlag. : vom 4.10. 1914 Quellen Birgit Rommelspacher (1995): Dominanzkultur. Texte zu Fremdheit und Macht, Orlanda Frauenverlag Birgit Rommelspacher: Rechtsextremismus und Dominanzkultur
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